Das Nachtflugverbot am BER schwächt laut Studie Berlins Wettbewerbsfähigkeit. Ryanair fordert Reformen.

Eine aktuelle Untersuchung des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV), durchgeführt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sorgt in der Luftfahrtbranche für Diskussionen. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass das derzeitige Nachtflugverbot am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) nicht nur betriebliche Einschränkungen mit sich bringt, sondern auch langfristige Nachteile für den Wirtschaftsstandort Berlin nach sich ziehen könnte.
Dem Bericht zufolge führen die strikten Regelungen zu erheblichen Kapazitätsengpässen, die es Fluggesellschaften erschweren, ihre Flotten effizient zu nutzen. Besonders kritisch sei dabei der Vergleich mit anderen europäischen Flughäfen, wo größere Flexibilität herrsche und Betriebsabläufe besser an die Bedürfnisse moderner Airlines angepasst seien. Dies zwinge viele Unternehmen, sich zunehmend auf Flughäfen außerhalb Deutschlands zu konzentrieren – ein klarer Wettbewerbsnachteil für die Hauptstadt.
Die zusätzlichen Belastungen durch Umleitungen und Verspätungen, so die Studie weiter, verursachen hohe Betriebskosten und beeinträchtigen nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Fluggesellschaften, sondern auch die Zufriedenheit der Passagiere. In Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland sei eine Überprüfung bestehender Vorschriften dringend notwendig.
Parallel zur Veröffentlichung der Studie äußerte sich auch die Berliner Luftfahrtinitiative – ein Zusammenschluss aus regionalen Wirtschaftsvertretern, dem BER selbst sowie weiteren Akteuren – kritisch gegenüber der geltenden Regelung. Die Gruppe forderte die Politik auf, mehr Flexibilität bei den Nachtflugzeiten zuzulassen, um die Anbindung der Hauptstadt zu verbessern und das Wachstum des Luftverkehrs zu fördern.
Bei Ryanair, einem der lautesten Kritiker des Nachtflugverbots, sieht man sich durch die Ergebnisse der Untersuchung bestätigt. Nachtflugverbot in Berlin führt zu unnötigen CO₂-Emissionen. Aus Unternehmenskreisen wurde betont, dass man nicht gegen eine nächtliche Ruhephase sei – jedoch sei es aus operativer Sicht notwendig, Ausnahmen bei unvorhersehbaren Ereignissen wie Wetterumschwüngen oder technischen Problemen zu ermöglichen.
Insbesondere fordert Ryanair die Luftfahrtbehörde des Landes Brandenburg (LuBB) auf, auf die Studie zu reagieren und konkrete Schritte einzuleiten, um die strengen Einschränkungen zu lockern. Ohne ein Entgegenkommen, so heißt es, seien weitere Nachteile für Berlin als internationales Luftverkehrsdrehkreuz unausweichlich.
Die Debatte um das Nachtflugverbot gewinnt damit neue Brisanz – und setzt die Verantwortlichen zunehmend unter Druck.